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Schweißerpässe in Excel verwalten — wo die Liste bricht

Aktualisiert: September 2026 · Lesezeit ca. 7 Min.

Fast jeder Schweißbetrieb startet mit einer Tabelle: eine Zeile je Schweißer, eine Spalte für das Ablaufdatum, ein Ordner mit den Kopien der Schweißscheine daneben. Das trägt erstaunlich weit — und bricht an fünf wiederkehrenden Stellen. Dieser Beitrag benennt sie und beschreibt, welche Felder eine Übersicht mindestens führen muss, damit sie die Fragen beantwortet, die im Betrieb und im Audit tatsächlich gestellt werden.

Was eine Übersicht beantworten können muss

Zwei Fragen entscheiden über den Nutzen jeder Liste:

  1. Darf dieser Schweißer diese Naht ausführen? Das beantwortet nicht das Ablaufdatum, sondern der Geltungsbereich — Schweißverfahren, Werkstoffgruppe, Werkstückdicke oder Rohraußendurchmesser, Nahtart und Schweißposition.
  2. Ist die Bescheinigung heute noch gültig? Das beantworten zwei getrennte Fristen: die Bestätigung alle 6 Monate nach DIN EN ISO 9606-1:2017, Abschnitt 9.2, und die Verlängerung nach Abschnitt 9.3 in dem Takt, der auf der Bescheinigung angegeben ist.

Eine Liste, die nur Name und Ablaufdatum führt, beantwortet keine der beiden Fragen vollständig. Sie sagt, wann jemand nachgeprüft werden sollte — nicht, wofür er qualifiziert ist.

Die fünf Bruchstellen

1. Eine Spalte für zwei Fristen

Die verbreitetste Verkürzung: eine Spalte gueltig-bis. Nach DIN EN ISO 9606-1:2017, Abschnitt 9.1 wird die Bescheinigung ungültig, wenn sie nicht alle 6 Monate bestätigt wird — unabhängig davon, wie weit das Verlängerungsdatum noch entfernt ist. Wer nur die längere Frist führt, verliert Pässe an der kürzeren. Wie beide Ebenen zusammenspielen, steht im Fristen-Leitfaden.

2. Der Geltungsbereich steht als Freitext in einer Zelle

Ein Eintrag wie 135, 1.1, 3-24 mm, PA/PB/PF ist für Menschen lesbar und für jede Auswertung wertlos. Sobald jemand fragt, welcher Schweißer eine Kehlnaht in PF an 12 mm ausführen darf, muss die Zelle von Hand gelesen und gedeutet werden — je Zeile, jedes Mal. Fünf Achsen gehören in fünf Felder. Welche Angaben der Geltungsbereich trägt und wie sie zu lesen sind, erklärt der Geltungsbereich-Guide.

3. Der Verlängerungsweg fehlt

DIN EN ISO 9606-1:2017 kennt in Abschnitt 9.3 drei Wege: Wiederholungsprüfung alle 3 Jahre (9.3 a), geprüfte Schweißungen alle 2 Jahre (9.3 b) oder unbefristete Gültigkeit unter den Bedingungen von 9.3 c). Welcher Weg gilt, ist nach Abschnitt 9.1 bei der Ausstellung auf der Bescheinigung anzugeben. Steht dieses Feld nicht in der Liste, rechnet die Tabelle für alle Pässe denselben Takt — und liegt bei einem Teil des Bestands daneben.

4. Mischbetrieb Stahl und Aluminium in einer Fristenlogik

Für Aluminium und Aluminiumlegierungen gilt DIN EN ISO 9606-2:2005-03 mit eigener Fristenregel: Die Bescheinigung bleibt zwei Jahre gültig, bestätigt wird ebenfalls alle sechs Monate. Sobald beide Werkstoffwelten in einer Tabelle liegen, braucht diese zwei Modelle — eine gemeinsame Formel ist für eine der beiden Seiten falsch.

5. Der Stand ist nur so aktuell wie die letzte Pflege

Eine Tabelle kennt keinen Zustand, sondern nur den zuletzt eingetragenen. Zwischen der Bestätigung auf der Pass-Rückseite und der Zeile in der Datei liegt eine Handbewegung, die im Tagesgeschäft ausfällt. Das fällt selten beim Schweißen auf und fast immer dann, wenn jemand von außen nachfragt.

Was das Audit verlangt

EN 1090-2:2018+A1:2024 hält in Abschnitt 7.4.2.1 fest: Schweißer sind nach EN ISO 9606-1 und Bediener nach EN ISO 14732 zu qualifizieren, und Aufzeichnungen aller Schweißer- und Bedienerprüfungen sind verfügbar zu halten. Für das Schweißen von Bauteilen der Ausführungsklasse EXC1 in Betrieben, die nach EN ISO 3834-4 arbeiten, verlangt derselbe Abschnitt zusätzlich die Verlängerung nach EN ISO 9606-1:2017, 9.3 a) oder 9.3 b).

Ein Werkzeug oder ein Dateiformat nennt der Abschnitt nicht — er verlangt, dass die Aufzeichnungen verfügbar sind. Eine Tabelle schließt das nicht aus. Der Unterschied zwischen einer Liste und einer Verwaltung liegt deshalb nicht in der Zulässigkeit, sondern im Aufwand, diesen Zustand dauerhaft zu halten.

Checkliste für die eigene Übersicht

Prüfen Sie Ihre bestehende Tabelle gegen diese Felder — je Zeile ein Schweißer, je Qualifikation eine eigene Zeile:

  • Name, Kennung, ausstellende Prüfstelle
  • Datum, an dem das Prüfstück geschweißt wurde (Beginn der Qualifikation nach DIN EN ISO 9606-1:2017, 9.1)
  • Schweißverfahren, Werkstoffgruppe, Dicke oder Rohraußendurchmesser, Nahtart, Schweißposition — je in einem eigenen Feld
  • Datum der letzten 6-Monats-Bestätigung und wer bestätigt hat
  • Angegebener Verlängerungsweg nach 9.3 a), b) oder c) und das daraus folgende nächste Datum
  • Für Aluminium: Kennzeichnung, dass DIN EN ISO 9606-2:2005-03 gilt
  • Ablage-Verweis auf die Bescheinigung selbst

Fehlt eines der Felder, ist die Lücke nicht theoretisch: Sie taucht als Rückfrage auf, sobald ein Auftrag oder ein Audit an dieser Achse hängt.

Quellen

  • DIN EN ISO 9606-1:2017, Abschnitt 9.1 bis 9.3
  • DIN EN ISO 9606-2:2005-03, Abschnitt 9.2
  • EN 1090-2:2018+A1:2024, Abschnitt 7.4.2.1

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